Parodie und Kopie am Rande des Weißen Hauses

Eine englische Redewendung lautet: „Imitation is the sincerest form of flattery!” – Nachahmung ist die aufrichtigste Form der Schmeichelei. Gemeint ist, dass der Imitierte gut daran tut, den Akt der Imitation nicht als Affront, sondern als Würdigung der eigenen Person oder Leistung zu betrachten. Immerhin, die Tatsache, dass man imitiert wird, bedeutet schon, dass man einen Grad der Wichtigkeit (oder zumindest Bekanntheit) erreicht hat, der eine Imitation überhaupt möglich macht. Einige Parodien lassen jedoch an der Gültigkeit der Redewendung zweifeln.

Dies ist zum Beispiel bei der Parodie des derzeitigen Pressesprechers des Weißen Hauses, Sean Spicer, der Fall, der in der amerikanischen Show Saturday Night Live (SNL) von der Schauspielerin Melissa McCarthy aufs Korn genommen wird. Der Sketch ist jenen Pressekonferenzen nachempfunden durch die Spicer in den letzten Wochen für Furore gesorgt hat. Optisch ist die Übereinstimmung schon gelungen: Die fettigen Haare sind zu einem flachen Scheitel gelegt, der Anzug passt nicht richtig und auch Mimik und Gestik ist an dem realen Vorbild angelehnt. Inhaltlich orientiert sich der Sketch an dem aggressiven Ton, mit dem Spicer der Presse begegnete. McCarthy attackiert, beleidigt und piesackt die anwesenden Pressevertreter. Die Gags sind mehr oder weniger gelungene Anspielungen auf Trumps bisherige Präsidentschaft.

Ein Kritikpunkt an McCarthys Darbietung ist vielleicht, dass ihre Version des Pressesprechers zu viel brüllt, zu viel gestikuliert und generell zu aufgedreht erscheint. Das richtige Maß zu finden, ist eine Herausforderung mit der sich jeder Darsteller einer gelungenen Parodie auseinandersetzen muss. Denn die Parodie gibt nicht nur ihre Vorlage wieder, sondern transformiert sie auch. Wie der Zeichner einer Karikatur, studiert der Darsteller die Figur und akzentuiert jene Wesenszüge die lustig, merkwürdig oder absurd erscheinen.

Das geht natürlich am besten, wenn die Vorlage bereits markante Erkennungsmerkmale aufweist. An der Fülle von Donald-Trump-Imitationen, die momentan zirkulieren, lässt sich dies ganz gut zeigen. Sie enthalten immer zumindest einige der folgenden Elemente: orange Haut, ‚lustige‘ Frisur, schlechtsitzender Anzug mit zu langer Krawatte, zugekniffene Augen und geschürzte Lippen. Dazu muss noch der Sprach-Duktus übereinstimmen: Kurze Sätze, viele Wiederholungen und die häufige Verwendung der Adjektive „huge“, „great“ und „tremenous“. Diese Übertreibungen dürfen allerdings nicht zu weit ausgereizt werden. Wenn die Kunstfigur seine Identifikation mit der Vorlage verliert, geht der Witz ins Leere. Das Urteil darüber, ob das bei McCarthys Verkörperung von Sean Spicer der Fall ist, sei jedem selber überlassen

Die Imitation relevanter Figuren des politischen Parketts gehört zum Standard-Repertoire der Unterhaltungsshow Saturday Night Live, die als popkulturelle Institution in den USA angesehen werden kann. Eine der erinnerungswürdigsten Darbietungen in diesem Zusammenhang war wohl die Darstellung der damaligen Vize-Präsidenschaftskanidatin Sahra Palin durch Tina Fey im Jahr 2008. Der Clou hierbei: Die Komikerin bediente sich für einen Teil des Sketches wortwörtlich an einem Interview, das Palin zuvor gegeben hatte. Tina Fey reduzierte das Maß an Überzeichnung absichtlich, um die tatsächliche Palin im Kontext einer Satire wirken zu lassen. In Ihrer Darbietung zeigt Fey eine weitere Qualität des Parodistischen auf: Es ‚kopiert‘ eine Figur oder Situation in einen anderen Kontext.

Palins Antworten in dem eigentlichen Interview müssen dem Zuschauer höchsten unglücklich oder besorgniserregend vorgekommen sein. Erst im satirischen Kontext entfalten die gleichen Äußerungen ihre absurde Qualität. Somit ermöglicht es die Parodie eine tatsächliche Situation ins Uneigentliche zu übertragen. Sie erlaubt dem Zuschauer über eine groteske Situation zu lachen, auch wenn ihm im tatsächlichen Fall das Lachen im Halse stecken bliebe. Zum Beispiel, wenn der Pressesprecher des Weißen Hauses im Namen des neuen Präsidenten versucht offensichtliche Unwahrheiten zu verbreiten und offen die Presse attackiert. Und vielleicht ist auch eine absolut übertrieben verzerrte Darstellung notwendig, um der Situation überhaupt noch ein Lachen abzugewinnen.

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