Kopierpraktiken, Kopierkulturen und die Ethik des Kopierens

Dr. Eberhard Ortland – Universität Bielefeld

Die Ethik des Kopierens bezieht sich auf Auseinandersetzungen über die Legitimität oder Illegitimität bestimmter Kopierpraktiken, einzelner Kopierhandlungen oder auch bestimmter Weisen, mit Kopien umzugehen. Neben Konflikten um die Herstellung und Verbreitung von mehr oder weniger exakten Reproduktionen von Vorlagen, auf die bestimmte Ansprüche erhoben werden, geht es in der Ethik des Kopierens auch um freiere Formen der Übernahme bestimmter Elemente oder Formen in kulturellen Appropriations- und Austauschprozessen wie beispielsweise bei Zitat, Bearbeitung, Paraphrase, Anspielung, Mashup, Stilimitation, Mode u. ä. m.

Im interkulturellen Vergleich fällt auf, dass sowohl die in verschiedenen Kulturen üblichen Kopierpraktiken als auch die normativen Einstellungen zu verschiedenen Kopierpraktiken erhebliche Variationen aufweisen. Damit stellt sich – nicht zuletzt im Hinblick auf weltweit zunehmend vereinheitlichte Copyright-Regimes – die Frage nach der Möglichkeit und ggf. der Reichweite kopierethischer Normen.